Folge 2 | Podcast: Führung durch den Blätterwald

Ignorieren Sie die Deadline!

“Melden Sie sich beim Reporter zurück, bevor seine Deadline endet.“

Diesen Ratschlag verstehen manche als Tipp, sich kurz vor knapp zu melden, um Antworten oder ein Statement abzugeben. Oder Sie melden sich sogar pünktlich um 16 Uhr, wenn in der Mail stand, die Antworten würden bis 16 Uhr gebraucht.

Die Zeit bis zur letzten Sekunde der Deadline auszureizen ist ein schlechter Rat, auch wenn ihn manche PR-Berater so oder ähnlich geben.

Folge 2: Ignorieren Sie die Deadline

von Barbara Stromberg | Podcast: Führung durch den Blätterwald

Agenda dieser Folge

Überblick über die Themen dieser Folge:

  • Wie wichtig ist die Deadline?
  • Deadline abwarten oder schnell zurückmelden?
  • Vorlaufzeiten und Deadlines der Medien
  • Wie man Partner der Presse wird

Bonus

Quick-Check: Ignorieren Sie die Deadline!

DIE WICHTIGSTEN PUNKTE AUS DER FOLGE

Reagieren Sie so schnell wie möglich. Warten Sie nicht.

Antworten Sie erst kurz vor der Deadline stehen 80 bis 90 Prozent des Textes vermutlich schon. Die Reporterin hat bereits mit Ihren Kritikern oder Ihren Mitbewerbern gesprochen, hat sich ein Bild gemacht, Experten dazu befragt, 2800 Zeichen dazu geschrieben.

Kein Platz für eine Darstellung Ihrer Sicht, kein Platz für Argumente, keine Chance, auf Kritikpunkte zu reagieren.

Besser: gleich zurückrufen! Fragen, worüber sie sprechen möchte, worum es in der Story geht. Wer ist die Gegenstimme, was sind Ihre Fragen und können Sie sie per Mail haben?

Wichtig: Sie müssen bei diesem ersten Telefonat noch keine Antworten geben. Ob es nun um ihren Rat als Experten oder um negative Schlagzeilen zu Ihrem Unternehmen geht. Je eher sie es aber schaffen, sich als kooperativer Gesprächspartner zu zeigen, desto positiver ist die Stimmung.

Bleiben Sie ruhig und souverän, nicht fordernd und unverschämt.

Versprechen Sie also lieber, sich in einer Stunde noch mal zu melden mit ihren Antworten. Sie brauchen Zeit, um die Antworten vorzubereiten, damit Sie nur sagen, womit Sie zitiert werden wollen. Nicht ein Satz, nicht ein Halbsatz sollte etwas sein, was aus dem Zusammenhang gerissen Schaden für sie bedeutet.

Melden Sie sich so schnell wie möglich zurück, aber vorbereitet. Nur so haben Sie eine Chance, Ihre Sicht darzustellen, bevor die Reporterin die fertige Story im Kopf hat.

Halten Sie Ihr Versprechen, sich schnell mit Antworten zurück zu melden. Sonst zwingen Sie die Reporterin, sich einen anderen Experten zu suchen, der sich nicht so lange bitten lässt und dadurch die Arbeit verzögert.

Es ist wie beim Flirten. Wer sich allzu rar macht und die Konversation verweigert, wird ersetzt durch willigere Kandidaten.

Allerdings: Es kann durchaus vorkommen, dass die Deadline sehr, sehr knapp ist.

Das kann zwei Gründe haben.

Vielleicht ist ein anderer Gesprächspartner abgesprungen oder ihre fachliche Expertise hat sich kurzfristig als wichtig ergeben. Dann ist Ihr Kontakt bei der Redaktion wirklich sehr, sehr in Eile und in Not. Seien Sie der Retter!

Oder man möchte Sie unter Druck setzen, damit sie unüberlegt antworten.

Stehen Sie vor der Wahl, entweder sofort mit einem Reporter zu sprechen oder gar nicht in der Geschichte zu Wort gekommen zu kommen, hilft nur eines: abwägen, wo das größere Risiko lauert.

Ich werde oft gefragt, was die üblichen Vorlaufzeiten und Deadlines bei verschiedenen Medien sind.

  • Die Deadline bei Tageszeitung ist der späte Nachmittag.
  • Die Deadline bei Wochenzeitungen hängt vom Erscheinungstag ab und liegt meistens zwischen Mittwoch und Freitag, mindestens zwei, drei Tage vor dem Erscheinungstag.
  • Bei monatlichen Magazinen sind es 2-3 Monate Vorlauf.
  • Bei Radio oder TV kann die Deadline schon mal eine bis 2 Stunden vor der Ausstrahlung liegen, auch bei Livesendungen.
  • Bei Internet-Medien ist es schwierig, einen genauen Moment auszumachen. Man kann sich aber denken, dass die Deadline immer früher als das direkte Konkurrenzmedium gelegt wird.

Ein Extratipp:

Bieten Sie bei Ratgebertexten an, dass Sie als Experte gerne zur Verfügung stehen, beispielsweise um Hintergrund-Fakten zu verifizieren oder wenn es Rückfragen oder Verständnisprobleme gibt. Bieten Sie also an, den Beitrag auf sachliche und fachliche Richtigkeit zu prüfen. Wie Sie haben auch Redakteurinnen und Redakteure ein Interesse daran, dass Fakten, die sie behaupten, auch stimmen.

Seien Sie aber bitte nicht persönlich beleidigt, wenn dieses Angebot nicht angenommen wird. Gestalten Sie es also völlig unverbindlich. So in der Art wie „Wenn Sie mögen, schaue ich mir den Text nochmal an, weil es da einige Fallstricke gibt, die man nicht so leicht entdeckt, wenn man nicht tagtäglich damit zu tun hat.“

Denken Sie aber daran: Sie haben kein Recht darauf, den fertigen Artikel oder Beitrag vor Drucklegung zu sehen.

Auch wörtliche Zitate müssen Ihnen nur dann zur Autorisierung vorgelegt werden, wenn es auch vorab so vereinbart wurde.

Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, wie man sich als Experte in den Medien so präsentiert, dass man die Themen seiner Wunschkunden trifft, schreiben Sie gerne eine Mail an mich. Sie haben noch keine Wunschthemen und auch keine Anfragen der Presse? Dann ist vielleicht mein Workshop zur Themenfindung und für den Pitch ihrer Wunschthemen das richtige für Sie.

Erzählen Sie mir auch gerne, für welches Thema Sie gerne als Experte in den Medien erscheinen würden. Wofür sind Sie ein Experte oder eine Expertin?

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