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Was macht die Selbständigkeit mit mir?

Das ist eine gute Frage, die Lexoffice bei der diesjährigen Blogparade gestellt hat.
Ich mache da nicht nut gerne mit, weil ich schon seit Jahren Lexoffice nutze, sondern weil mich da die Frage triggert.

Was also macht die Selbstständigkeit mit mir? Antwort in kurz: Sie gibt mir die Freiheit, mit ihr zu machen, was ich will.
Meine Erfahrungen als Angestellte sind wirklich überschaubar. Zwei Jahre Redaktionsassistenz, dann zwei Jahre Volontariat – Ende.

Oder Anfang, wie man es nimmt.

Es gibt aber dennoch eine Begebenheit, die mir im Gedächtnis geblieben ist und die zeigt, dass ich in der Selbstständigkeit besser aufgehoben bin.

Die Kulisse:

Eine Großraumbüro mit sechs Schreibtischen für Redakteure und Redakteurinnen, hintereinander aufgereiht wie die Ruderbänke einer Galeere. Graue Klotzbildschirme, über die eines der ersten DTP-Programme flackerte – wir schreiben das Jahr 1999.

Das Team:

Oh, wir hatten Spaß. Ich war gerne Teil des Teams, wir haben viel gelacht, wenn auch stellenweise mit etwas viel Zynismus in den Zwischentönen. Egal, wir hatten Spaß und produzierten drei Wochenblätter für den kompletten 1300 Quadratmeter großen Landkreis und beyond.

Der Chef:

Ein erfolgreicher Ressortleiter, ambitioniert und fordernd. Gut für uns, um zu wachsen – aber auch anstrengend bisweilen.

Der Auftrag:

Eine Geschichte aus dem überregionalen Boulevard herunterbrechen auf das Lokale. Sprich: Aus der Geschichte „Diese Automodelle fahren die Deutschen am häufigsten“ wird „Diese Automodelle fahren die Leute im Landkreis am häufigsten“.
Gute Güte, fand ich das Thema doof. Warum und wieso und vor allem weshalb sollte sich jemand dafür interessieren?

Entsprechend ambitioniert machte ich mich an die Recherche. Nämlich gar nicht. Ich rief NICHT bei der Zulassungsstelle an (Mailadressen hatten die damals noch nicht). Ich fragte NICHT die Kfz-Innung oder sonstwen. Ich ignorierte den Auftrag, wie man mit 22 Jahren ganz hervorragend Erwartungen ignorieren kann, ohne sich einen Dreck darum zu scheren, dass sie davon nicht verschwinden.

Zu tun hatte ich ja trotzdem – eine hervorragende Ausrede, die mir den Ressortleiter immerhin eine gute Woche vom Hals hielt. Noch eine Woche später wurde er sauer. Richtig sauer. Das konnte er gut, war ja auch sein Job.
Ich ignorierte weiter und nochmal eine Woche später bekam ich ein schöneres Thema. Was das war, habe ich vergessen. Was ich aber weiß: Ich habe mich unmöglich verhalten.

Das ist heute anders

Ich hätte ihm andere Themen vorschlagen sollen oder mich eben durchbeißen und das Beste daraus machen.
DAS hat die Selbstständigkeit mit mir gemacht. Sie zeigt mir, dass ich selbst etwas tun muss, wenn ich unzufrieden bin. Nein, besser sogar: Ich MUSS nicht, ich KANN aber.

Etwas nicht zu müssen, aber zu können – das entspricht meinem Naturell total.
Deshalb bin ich seit mehr als zwei Jahrzehnten selbstständig.
Weil ich es mag, selbst Verantwortung dafür zu tragen, dass Dinge gut werden.
(Danke fürs Antreiben, Karim, falls du das liest, die Zeit mit dir hat mächtig Spaß gemacht)

#lebensgefühl_selbständig

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